Die Handwerksbetriebe setzen auf Flüchtlinge

24. Februar 2016

Ein Besuch bei der Würzburger Firmengruppe Göbel am Tag der Ausbildung – SPD-Abgeordneter Rosenthal: „Soll Integration gelingen, muss dies über die Arbeit gehen.“

Das Handwerk hat zunehmend Probleme, Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Gleichzeitig halten sich derzeit knapp 12000 Flüchtlinge in Unterfranken auf, viele sind jung und motiviert. Doch kann es gelingen, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen? Dies war der Schwerpunkt eines Besuchs des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal bei der Würzburger Firmengruppe Göbel am Tag der Ausbildung. „Soll Integration gelingen, muss dies über die Arbeit gehen“, ist der Politiker überzeugt. Dass grundsätzlich die Bereitschaft da ist, Flüchtlinge auszubilden, zeigen Umfragen der Handwerkskammern. Um auch kleinere Betriebe dafür zu gewinnen, hält Rosenthal einen weiterer Abbau der Bürokratie für nötig.

Bild: Integration durch Arbeit: die jungen Azubis Farhat Nuri und Abdul Safi (von links) mit Eugen Hain (Agentur für Arbeit), Bernhard, Georg und Jochen Göbel (Firmengruppe Göbel), der SPD-Abgeordnete Georg Rosenthal und Susanna Niewalda (Bayerischer Bauindustrieverband)

Auch dem mittelständischen Familienbetrieb, der mit etwa 220 Mitarbeitern ein breites Aufgabenfeld rund ums Bauen abdeckt, fällt es von Jahr zu Jahr schwerer, Lehrlinge für den Hoch- und Tiefbau, als Maurer, Betonbauer oder im Rohrleitungsbau zu gewinnen, berichtete Firmenchef Georg Göbel. Für den kommenden September gebe es bislang keine einzige Bewerbung. Um dennoch nicht ohne junge Fachkräfte dazustehen, hat das Unternehmen mit Abdul Safi (Fliesenleger) und Nuri (Maurer) gleich zwei afghanische Flüchtlinge in die Ausbildung aufgenommen und damit die Rolle eines Vorreiters eingenommen. „Es war eine sehr glückliche Entscheidung“, erzählte Göbel. In der Berufsschule würden sich beide mit Einsen und Zweien wacker schlagen. Auch können sich die beiden jungen Männer, die an der Gesprächsrunde teilnahmen, bereits nach nur wenigen Monaten gekonnt auf Deutsch ausdrücken.

Dennoch ist nach Ansicht von Göbel die Politik gefordert. „Das Handwerk wartet auf die entsprechenden Rahmenbedingungen“, erklärt er. Auch der renommierte Betrieb ist wiederholt auf bürokratische Hürden gestoßen. So ging der Fall Abdul Safi durch die Medien. Ihm wurde ein Führerschein vorenthalten. Dabei ist eben dies, so Göbel, eine nötige Voraussetzung dafür, eine Lehrstelle als Fliesenleger antreten zu können. Erst nach einem Brief Rosenthals an den zuständigen Innenminister Joachim Herrmann, stellt er klar: Entscheidend für einen Führerschein ist nicht der Asylstatus, sondern eine Klärung der Identität und eine ladungsfähige Adresse. Auch sorgt sich der Firmenchef darum, welche Bleibeperspektive die jungen Menschen nach ihrer Ausbildung haben. Bislang ist die Aufenthalt für Auszubildende lediglich für fünf Jahre gesichert. „Wir bilden die Leute schließlich aus, um langfristige gehobene Fachkräfte für den Betrieb zu bekommen“, erklärte Göbel.

Ein Nadelöhr drohen die Schulen und der Wohnungsbau zu werden, die sich noch deutlich stärker auf die Zuwanderer und ihre spezifischen Probleme einstellen müssen. „Es scheitert nicht an Finanzmittel“, versicherte Rosenthal. Allerdings fehlt es an ausgebildeten Lehrern, insbesondere mit der Zusatzqualifizierung Deutsch als Zweitsprache (DaZ). „Wenn wir hier versagen, müssen wir über Integration erst gar nicht nachdenken.“ Bei den Sprachkursen ist die Bundesagentur für Arbeit (BA) vorgeprescht. In einem Sonderprogramm, das aus Beitragsmitteln der Arbeitnehmer finanziert wurde, haben im November und Dezember insgesamt 1400 Flüchtlinge mit Deutschkursen begonnen. Noch bevor sie eine Anerkennung als Flüchtling erhalten haben. „Ohne hinreichende Deutschkenntnisse klappt es kaum“, weiß Eugen Hain, Leiter der Agentur für Arbeit in Würzburg. Die Unfallverhütungsvorschriften oder Gebrauchsanleitungen zu verstehen, sei grundlegend, allein schon, um die Arbeitgeber aus der Haftung zu nehmen.

Seine Behörde bereitet sich auf eine große Nachfrage bei der Arbeitsvermittlung und für Förderprogramme vor, die mit der Anerkennung der Flüchtlinge ab dem Sommer das Würzburger Jobcenter erreichen wird. Im Agenturbezirk Würzburg sind derzeit 1077 Flüchtlinge bei insgesamt 9000 Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl steigt jedoch rasch an. „Integration ist ein Marathon und kein Sprint“, betonte Hain.

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