Cyber-Angriffe: Bayerische Atomkraftwerke sind nicht ausreichend geschützt

11. Februar 2015

Rosenthal fordert gesetzliche Reglungen

Nicht erst seit dem Cyber-Angriff prorussischer Hacker auf das Bundeskanzleramt Anfang Januar ist bekannt, dass Attacken aus dem Internet eine wachsende Bedrohung für wichtige Versorgungs- und Sicherheitseinrichtungen wie auch die bayerischen Atomkraftwerke darstellen. Doch die Abwehr von Computer-Attacken befindet sich erst noch in der Aufbauphase. Dies zeigt die Antwort auf eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung, die der SPD-Abgeordnete Georg Rosenthal gestellt hatte. „Die weltweiten Krisen sollten uns in höchste Alarmbereitschaft versetzen“, begründete er seinen Vorstoß. „Fanatische Fundamentalisten kämpfen nicht nur mit Bomben und Sprengstoff.“

Wie aus der Antwort des Umweltministeriums jedoch hervorgeht, ist derzeit weder klar, welche Unternehmen und Einrichtungen genau zur „kritischen Infrastruktur“ zählen noch gibt es eine zentrale Ansprechstelle einer auf Computer-Angriffe spezialisierten Polizeiabteilung in Bayern. Eine Meldepflicht für elektronische Angriffe ist gesetzlich nicht geregelt. Zudem regt das Schreiben zwar Forschungsprojekte an, die sich mit Bekämpfungskonzeptionen oder der Festlegung von Meldewegen befassen. Gemeinsame Übungen aller Beteiligten werden in Aussicht gestellt. „Wir müssten jedoch längst viel weiter sein“, so Rosenthal. „Hier liegt ein eklatantes Versäumnis der Verantwortlichen vor, das der Bürger hoffentlich nicht auszubaden hat.“

Besorgniserregend ist dies insbesondere im Fall der bayerischen Atomkraftwerke Gundremmingen und Grafenrheinfeld. So gibt es zwar genaue Szenarien, die etwa auf die Folgen eines Flugzeugabsturzes eingehen oder den Ausfall der externen Stromversorgung, nicht jedoch für den Fall, dass sich ein Eindringling per Computer von innen Zugriff auf die Steuerungsanlagen verschafft. Auch die Antwort des Ministeriums schweigt zu dieser Frage. Es bleibt offen, inwiefern Hacker das Reaktorschutzsystem manipulieren könnten. „Offenkundig sind die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend“, sagt Rosenthal. Er fordert die Staatsregierung darum nachdrücklich dazu auf, die Akw-Betreiber zu entsprechenden Schutzmaßnahmen zu verpflichten.

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