In akuten Krisen haben Pflegebedürftige oft das Nachsehen

30. November 2017

Schriftliche Anfrage des SPD-Abgeordneten Georg Rosenthal zeigt in der Region eklatanten Mangel an Plätzen zur Kurzzeitpflege

Wer kurzfristig eine Betreuung für seine pflegebedürftigen Angehörigen sucht, hat in Unterfranken schlechte Karten. Aus einer Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal an die Staatsregierung geht hervor, dass bei der Unterstützung der häuslichen Pflege deutlicher Handlungsbedarf in der Region Würzburg besteht: Es fehlt an festen Plätzen für die Kurzzeitpflege. „Besonders in akuten Krisen, aber auch, um sich eine Pause zu gönnen, brauchen die Angehörigen Hilfe und die Möglichkeit, auch kurzfristig auf professionelle Angebote zurückzugreifen“, stellt Rosenthal fest.

Umso wichtiger ist es, dass ausreichend Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stehen: In ganz Unterfranken gab es im Oktober 2017 jedoch nur noch zwei Kurzzeitpflegeeinrichtungen: eine in Würzburg und eine in Aschaffenburg. Sie können gerade einmal 33 feste Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stellen. Noch vor zehn Jahren gab es in sieben Heimen doppelt so viele Plätze. Dieser Notstand wird etwas abgemildert dadurch, dass 25 Würzburger Pflegeeinrichtungen ihre 1.924 Pflegeplätze auch zur Kurzzeitpflege zur Verfügung stellen, im Landkreis Main-Spessart waren es in 16 Heimen 1.447 Plätze. Voraussetzung ist, dass sie zum benötigten Zeitpunkt auch wirklich frei sind.

Auch ist es für die Angehörigen oft mühselig, herauszufinden, welches Heim in der Nähe einspringen kann. So gibt es in Unterfranken zwar vier unabhängige Pflegestützpunkte, davon einen in Würzburg. Doch sind diese wichtigen, von den Kranken- und Pflegekassen und den Kommunen getragenen Einrichtungen, an die sich Hilfesuchende wenden können, bei weitem nicht ausreichend. „Unterfranken steht zwar vergleichsweise gut da“, stellt Rosenthal fest. Allerdings seien andere Bundesländer deutlich weiter. So habe Rheinland-Pfalz etwa 140 solcher Stützpunkte anzubieten, während es in Bayern insgesamt nur neun sind. „Von einer flächendeckenden und wohnortnahen Abdeckung kann hier keine Rede sein.“

Aus der Anfrage geht zudem deutlich hervor, dass die meisten pflegebedürftigen Menschen möglichst in gewohnter Umgebung oder bei ihren Angehörigen bleiben wollen. So erhielten 2015 von etwa 2,5 Millionen Menschen im Alter von 65 Jahren und älter etwa 290.000 Leistungen aus der Pflegeversicherung, also knapp 11 Prozent der Menschen in diesem Alter. Doch nur etwa ein Drittel von ihnen (103.751) wurde 2015 in einer vollstationären Dauerpflege betreut. Für den Rest sorgten in erster Linie die Angehörigen.

Immerhin hat das Ministerium auf den massiven öffentlichen Druck hin erste Maßnahmen eingeleitet. So wurde bis Anfang November über ein Jahr eine Standortanalyse von Beratungs- und Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige vorgenommen. Auch stellt das Ministerium seit kurzem mehr Mittel zur Verfügung, um feste Kurzzeitpflegeplätze für die Anbieter attraktiver zu gestalten. „Ob dies reicht, bleibt abzuwarten“ so Rosenthal.

Die Zeit drängt: Die Zahl der Pflegebedürftigen dürfte in den kommenden Jahren rasch zunehmen. So waren Ende 2015 – aktuellere Zahlen liegen der Staatsregierung derzeit nicht vor - in Bayern 348.253 Menschen auf Pflege angewiesen und erhielten Leistungen. Ende 2007 waren es nur 314.282 Pflegebedürftige. Zahlen für die einzelnen Kreise gibt es erst seit 2011. Das Beispiel Würzburg zeigt, wie rasch die Kurve nach oben steigt: 2011 gab es in Würzburg 4.131 pflegebedürftige Menschen, 2013 schon 4.360 und 2015 4.476. Die Stadt steht damit in ganz Unterfranken zusammen mit Schweinfurt und Aschaffenburg sowie dem Landkreis Bad Kissingen an der Spitze. In dem Landkreis Main-Spessart ist dagegen der Anstieg noch nicht so deutlich: 2011 gab es 4.645 Pflegebedürftige, 2013 4.272 und 2015 4.319.

Auch ist davon auszugehen, dass durch das wichtige Pflegestärkungsgesetz II ein deutlicher Anstieg an Pflegeleistungen eintritt. So geht aus Zahlen der AOK Bayern hervor, dass seit 2016 die Zahl der Anträge um 21 Prozent zugenommen hat.

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