Rosenthal und Hiersemann besuchen JVA Würzburg

09. August 2017

Geeignete Islam-Lehrer für die muslimischen Häftlinge fehlen

Ein Besuch des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Petitionsausschusses im Bayerischen Landtag Alexandra Hiersemann in der JVA Würzburg

Die Zeiten der Überbelegung scheinen zumindest in der Justizvollzugsanstalt Würzburg vorbei: Mit derzeit 540 Inhaftierten bei einer Kapazität von etwa 600 Häftlingen befindet sie sich in einem ausgewogenen Verhältnis. „Die Mitarbeiter sind derzeit dabei, ihre Überstunden abzubauen“, berichtet Gefängnisleiter Robert Hutter bei einem Besuch der beiden SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal und Alexandra Hiersemann (Erlangen-Höchstadt) in der Haftanstalt am Friedrich-Bergius-Ring. Im Süden Bayerns sieht das Bild dagegen oft anders aus: Hier sind Überbelegungen immer noch an der Tagesordnung. Darunter seien, so Hutter, viele Schleuser, die die Notlage von Flüchtlingen ausnutzten. Hiersemann, stellvertretende Vorsitzende des Petitionsausschusses im Bayerischen Landtag, hat in ihrer Funktion auch mit Petitionen von Würzburger Gefangenen zu tun. Vor Ort wollte sie sich ein Bild der Situation machen.

Es fehlt an geeigneten Islam-Lehrern: Die geistliche Betreuung muslimischer Häftling braucht eine Aufwertung

Schwierigkeiten bereitet auch in Würzburg weiterhin die Betreuung von Häftlingen muslimischen Glaubens: Etwa 70 sind derzeit hier inhaftiert. Die meisten sind aus der Türkei. Es gibt jedoch auch viele aus anderen Ländern und mit unterschiedlichen, oft feindlich einander gegenüberstehenden Glaubensrichtungen. „Die Anstalten sind bei der Betreuung ganz auf sich alleine gestellt“, stellt Rosenthal, Mitglied im Anstaltsbeirat, hierzu fest. Rosenthal hatte im vergangenen Jahr mit mehreren Anfragen zu diesem Thema erfolgreich eine Diskussion angestoßen. Geändert hat sich seither wenig: „Die hohe Bedeutung guter Islam-Lehrer für die Eingliederung muslimischer Gefangener wird noch immer unterschätzt.“

So gibt es in Würzburg neben den christlichen Gefängnisseelsorgern lediglich einen Geistlichen der umstrittenen türkischen Ditib-Gemeinschaft und seit gut einem Jahr einen engagierten Islam-Lehrer aus Karlstadt, der besonderen Wert auf eine tolerante Auslegung des Islams legt. Doch auch er kann kaum den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Wie wichtig der Religionsunterricht ist, zeigen zwei inhaftierte Syrer, die einer salafistischen Richtung angehören. Gegen einen von ihnen besteht der Verdacht, dass er einer Terrorvereinigung angehörte. Hiersemann: „Es ist in unserem und im Interesse ihrer Heimatländer, dass sie an eine zivile und demokratische Ordnung herangeführt werden. Haftanstalten sind nicht selten Brutstätten religiöser Indoktrination, der durch Aufklärung und religiöse Bildung entgegengewirkt werden muss, damit die Gefängnisinsassen am Ende ihrer Haft wieder friedlich an unserer Gesellschaft teilnehmen können.“

Eine Freiheitsstrafe ist nicht das Ende des Lebens: Die Resozialisierung muss im Mittelpunkt stehen

Die erst 1997 eröffnete Anstalt befindet sich baulich in einem guten Zustand: Anders als die alten Gefängnisse aus wilhelminischen Zeiten sind die Gänge und Aufenthaltsräume hell und die Zellen ausreichend bemessen. Ein Blick auf die Pinnwand zeigt zudem, dass es ein breites Angebot an Bildungsmöglichkeiten oder Angeboten Ehrenamtlicher gibt. Von Deutschkursen, über Ausbildungsangebote für Köche oder Gebäudereiniger bis zu Gesprächsgruppen reicht das Angebot. Für Gefängnisleiter Hutter war der Tag des Besuchs zudem ein besonderes Ereignis: Etwa ein Dutzend der Schülerinnen und Schüler feierten den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung. Zwei junge Frauen wurden sogar mit einem Preis als beste Absolventen besonders geehrt.

„Solche Erfolge muss es noch viel öfters geben“, kommentiert Rosenthal. „Das Leben der Inhaftierten endet ja nicht mit einer Freiheitsstrafe.“ Dafür müsse jedoch der Gedanke der Resozialisierung der inhaftierten Menschen im Mittelpunkt der Arbeit stehen.

Bild 1 von links: Stadträtin Jutta Henzler, MdL Georg Rosenthal, MdL Alexandra Hiersemann, Anstaltsleiter Robert Hutter in der JVA-Werkstatt

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