Straßenbahnen sind die Zukunft, nicht nur in Würzburg

25. Mai 2018

Der Öffentliche Nahverkehr befindet sich in einer Erneuerungsphase, die Investitionen erfordert

Wenn eine Kommune ein Straßenbahnprojekt realisieren möchte, wie es in Würzburg mit der Linie 6 der Fall ist, braucht sie finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Doch das Verfahren zur Vergabe von Fördermitteln ist kompliziert und in die Jahre gekommen. Eine Reform des sogenannten „Standardisierten Bewertungsverfahrens“ ist ein ehrgeiziges Vorhaben. Aus diesem Grund kamen Vertreter aller bayerischen Straßenbahn-Städte zu einem Runden Tisch in Würzburg zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen zu besprechen. Eingeladen hatte der Würzburger SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal.

Seiner Einladung folgten Frank Steinwede (Projektleiter Straßenbahn der Stadtwerke Regensburg), Thomas Schäfer (Geschäftsführer der WVV), John Borchers (Geschäftsbereichsleiter Planung der VAG Nürnberg) und Bernhard Fink (stellvertretender Bereichsleiter Konzeption der MVV München) sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel, Katharina Räth (Vorsitzende SPD Würzburg), Jutta Henzler (SPD-Stadträtin) und Stefan Wolfshörndl (Bürgermeister Gerbrunn).

Straßenbahnprojekte erhalten nur dann eine Förderung, wenn sie auf einem eigenen Gleiskörper neben der Straße fahren. Doch dies ist in historisch gewachsenen Städten, wie Würzburg, Nürnberg, München oder Regensburg meist nicht möglich. Hier teilt sich die Straßenbahn die Straße mit Autos oder Fußgängern. „An dieser Stelle bedarf es einer Reform der Standardisierten Bewertung. Wir dürfen die Kommunen nicht alleine auf den Kosten sitzen lassen. Die Entscheider in Berlin und München müssen für dieses Problem sensibilisiert werden. Das werden wir in Würzburg nicht alleine schaffen, sondern wir müssen mit den anderen Städten an einem Strang ziehen“, so Rosenthal.

„Während die Fahrgastzahlen in den letzten Jahren stetig steigen, sinken die Zuschüsse“, so Rützel. Daran sehe man schon, woran es krankt.

Die Probleme bei der Förderung der Würzburger Linie 6 sind auch andernorts bekannt. In Regensburg steht der Bau der Stadtbahn bevor und zwischen Nürnberg und Erlangen soll in Zukunft die Stadtumlandbahn fahren. Doch die Planungsprozesse dauern lange, wichtige Nutzenkomponenten fließen nicht in die Förderung mit ein und in den engen Innenstädten konkurrieren Fußgänger, Fahrräder, Autos und der Öffentliche Nahverkehr um geringe Platzkapazitäten. Für die Planer eine echte Herausforderung. Schließlich sollen sich die Neubauten gesamtwirtschaftlich lohnen, so will es das Förderverfahren. Ob ein Projekt durch Bund und Land gefördert wird, entscheidet eine standardisierte Kosten-Nutzen-Bewertung. Für die bayerischen Kommunen ist das eine hohe Hürde.

Zumal Minderjährige, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende bei der Bewertung des Nutzens nicht berücksichtigt werden. Schließlich können sie oft nicht auf das Auto umsteigen und sind gezwungen den Öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Selbst bei einer Angebotsverbesserung würden in dieser Gruppe die Nutzungszahlen nicht steigen. Rosenthal nennt sie „Gefangene des Systems“. Gerade in einer Hochschulstadt wie Würzburg bedeute dies geringere Förderungen für den Ausbau von Straßenbahnlinien, die stark von Studierenden genutzt werden. Die Linie 6 sei auch hier ein Paradebeispiel.

„Wir müssen unseren Öffentlichen Nahverkehr für die Zukunft fit machen. Die Planung erfordert vorausschauendes und nachhaltiges Denken. Heute wird bereits für das Jahr 2030 und darüber hinaus geplant. Dafür braucht es Investitionen, die die Kommunen nicht alleine stemmen können. Bund und Freistaat müssen stärker in die Pflicht genommen werden“, so fasste Rosenthal die Ergebnisse des Runden Tisches zusammen.

Bildunterschrift: (v.li.) Thomas Schäfer (Geschäftsführer der WVV), Bernd Rützel (MdB), Frank Steinwede (Projektleiter Straßenbahn der Stadtwerke Regensburg), Katharina Räth (Vorsitzende SPD Würzburg), Georg Rosenthal (MdL), John Borchers (Geschäftsbereichsleiter Planung der VAG Nürnberg) und Bernhard Fink (stellvertretender Bereichsleiter Konzeption der MVV München)

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