Rosenthal: Der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe in Main-Spessart kommt kaum voran

03. August 2017

Landtagsanfrage des SPD-Abgeordneten Rosenthal zeigt: Für Main-Spessart bis auf Weiteres keine Besserung in Sicht - „Ein Ausbauprogramm mit Schwung sieht anders aus.“

Bis auf Weiteres sind die Züge der Deutschen Bahn für die meisten gehbehinderten Passagiere aus dem Landkreis Main-Spessart nur unter großen Mühen zu erreichen. Das geht aus einer Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal an das bayerische Innenministerium hervor: „Der Staatsregierung fällt es besonders auch im Landkreis Main-Spessart schwer, ihrer Verantwortung für einen barrierefreien Zugang tatsächlich nachzukommen.“

Für Gemünden beginnen die Planungen – die Risiken sind aber groß

Da ist es ein schwacher Trost, dass der bedeutende Knotenpunkt Gemünden, immerhin Unterfrankens viertgrößter Bahnhof mit knapp 3.000 Ein- und Ausstiegen, seit Ende des vergangenen Jahres hoffen darf: Seit Jahresanfang befindet er sich in einem „Planungsvorrat Barrierefreiheit“ für ein „Zukunftsinvestitionsprogramm“ des Bundes, das aber kaum mehr bedeutet, als dass Planungen stattfinden. „Nur wenn alles glattläuft, das Planungsergebnis umsetzbar erscheint und bei den drei Akteuren keine finanziellen Engpässe auftreten, könnte damit immerhin Gemünden noch vor Ablauf der Seehofer-Frist fertig werden“, begrüßt Rosenthal mit der gebotenen Skepsis die Aufnahme des Bahnhofs in das Förderprogramm.

Der frühere Würzburger Oberbürgermeister sieht jedoch eine ganze Reihe von Unbekannten, die das Projekt noch deutlich verzögern könnten. „Über eine Finanzierung der Baumaßnahme, die Gestaltung und den Termin für einen Baubeginn ist mit dieser Entscheidung nichts ausgesagt.“ Gemünden wäre damit neben den beiden kleinen Bahnhöfen Wernfeld, einem Ortsteil von Gemünden, und Hasloch bei Wertheim erst der dritte barrierefreie Bahnhof im Landkreis. Laut Ministerium befindet sich zudem Partenstein in der Planungsphase. Weder in der ersten noch der zweiten Auflage des „Bayern-Pakets“ des Freistaates ist einer der hiesigen Bahnhöfe berücksichtigt. Ärgerlich sei zudem, dass für Fahrgäste aus Lohr (1.400 Reisende) und Karlstadt (2.100 Reisende) derzeit keinerlei Besserung der Situation zu erkennen sei. „Ein forcierter Umbau der Bahnhöfe sieht anders“, so das nüchterne Fazit Rosenthals.

Stark in Ausreden: Das Innenministerium sieht den Bund in der Verantwortung

In seiner Antwort begründet das für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zuständige Innenministerium das verhaltene Ausbautempo damit, dass in erster Linie der Bund gefordert sei. Auch übernehme die Deutsche Bahn derzeit nur eine Kofinanzierung von mageren 25 Prozent. Nach Angaben des Ministeriums ermöglicht dies dem Freistaat, jedes Jahr nur zwölf Projekte anzupacken und davon acht umzusetzen. Noch nach der Landtagswahl 2013 war deutlich mehr Schwung zu spüren, als Ministerpräsident Seehofer in seiner Regierungserklärung für 2023 vollmundig ein barrierefreies Bayern in Aussicht stellte.